Peter LITVAI ATELIER FÜR FOTOGRAFIE Landshut - Auftragsarbeiten
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Landshuter Zeitung
11. November 2020
Feuilleton


Roberta De Righi
SCHRITT FÜR SCHRITT

Alle Ausstellungsräume mussten schließen, die Landshuter Galerie Litvai zeigt trotzdem die Fotografien von Sabine Jaehnke – komplett im Internet. „Hauptsache, man sieht den Himmel“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Fotogalerie Litvai, die Ende Oktober eröffnet wurde – kurz bevor der neue Lockdown im November begann. Was klingt, als ob es den Zustand der Corona-Einschränkungen beschreiben würde, entstand als Titel einer Foto-Serie bereits 2019.

Die in München lebende Ingenieurin und Fotografin Sabine Jaehnke, die derzeit noch die Meisterklasse an der Berliner Ostkreuz-Fo-toschule besucht, fasst darunter Fotografien zusammen, die im Februar 2019 in Griechenland entstanden sind. Weil die Galerie nun erneut geschlossen ist, sind alle Bilder der Schau, die noch bis 5. Dezember läuft, online zu sehen.

Sabine Jaehnke war damals wegen eines Foto-Workshops in Athen, und weil sie sich in den Kopf gesetzt hatte, den Hafen von Piräus zu sehen, machte sie sich zu Fuß und mit ihrer Spiegelreflexkamera auf den circa 14 Kilometer langen Weg – immer eine vierspurige Ausfallstraße entlang. Diese war alles andere als eine Touristen-Route, sondern für Fußgänger eher ein Schmerzensweg durch den suburbanen Wildwuchs, an dessen Ende als Belohnung der Blick aufs offene Meer wartet – auf der symbolischen Ebene also auch eine Lebensreise.
Die Fotografin ließ „das Sehen den Weg bestimmen“, teilte ihre Foto-Wanderung konzeptuell ein und machte alle hundert Schritte ein Bild, den Fokus stets nach vorne gerichtet. Dabei wechselte sie schon die Straßenseite und zweigte auch in Seitenstraßen ab. Von den rund 160 Aufnahmen, die auf dem etwa siebenstündigen Spaziergang entstanden, sind nun 70 in der Galerie Litvai zu sehen.

Es ist ein Panoptikum der Gegenwart, kurios und vielfältig, denn Jaehnke wollte das Besondere nicht auswählen, sondern beiläufig finden: Ob das Licht- und Schattenspiel auf den Bodenplatten, bizarre Alltags-Stillleben wie Schweine-Köpfe in einem Kühlschrank, oder der wie abgestimmt wirkende, aber zufällige Farbkontrast einer rosa Fußmatte vor grüner Holztür.

Auch Menschen trifft man in diesen Bildern, aber Porträts werden daraus nicht; es bleiben distanzierte Beobachtungen. Eine alte Dame taucht in zwei Aufnahmen auf, sie schiebt mühsam eine Karre mit einem riesigen Karton. Nur einmalposieren zwei junge Frauen vor einem Imbiss direkt für die Kamera.

Und ja, man, sieht – manchmal gnadenlos und manchmal verheißungsvoll – meist den blauen Himmel. Darunter sammelt sich zwischen kleinen Läden, Industrieruinen, heruntergekommenen Gewerbebauten viel Ausgemustertes und Abfall.

Ganz nebenbei dokumentieren Sabine Jaehnkes Fotografien die verschiedenen Stadien urbaner Verdichtung. Und doch gibt es immer wieder auch einen Grünstreifen, rare Pflanzkübel oder einen Baum mit Früchten – oder gar Palmen. In diesen Aufnahmen blüht mitten in Chaos und Ödnis immer wieder die Hoffnung.
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