Thomas Wunsch - The Impertinence of Beauty Thomas Wunsch - The Impertinence of Beauty
Landshuter Zeitung, 17. Februar 2021
Feuilleton

Roberta De Righi
AUFLÖSUNG IN REINE STRUKTUR

Eigentlich wäre der Fotograf Thomas Wunsch jetzt in Landshut gleich in zwei Ausstellungen präsent. Doch weil die Öffnung der Museen und Galerien noch nicht in Sicht ist, dauert es, bis die Doppelschau in der Neuen Galerie gezeigt werden kann. Die Fotogalerie Litvai allerdings präsentiert unter dem Titel „The Impertinence of Beauty“ Wunschs abstrakte Aufnahmen vorerst online. Der Titel macht neugierig: „Die Unverschämtheit der Schönheit“. Was ist hier schön und was daran unverschämt? Mit der Kamera sucht der Wiesbadener Foto-Künstler poröse Oberflächen und lineare Verästelungen, findet Kratzer und Kleckse, Schrammen, Schmutz und Schrunden. Glatte Polituren und eine unverschämt cleane Schönheit kommen in seiner Bildwelt nicht vor.

Während des Kunstgeschichtsstudiums hatte Wunsch festgestellt, dass ihn die gegenstandslose Malerei am meisten interessierte, und verschrieb sich fortan der Idee, die abstrakte Kunst mit den Mitteln der Fotografie fortzusetzen. Seither ist er weltweit unterwegs auf der Suche nach interessanten Strukturen, war auch mehrmals in Asien – China, Südkorea Kambodscha.

Doch egal ob New York, Seoul oder Peking, sein Fundus ist immer der urbane Raum. Am Ende kann allerdings niemand mehr erkennen, wo seine Bilder entstanden sind.
Sein ästhetisches Ziel ist die Auflösung in reine Struktur, beziehungsweise die Umsetzung in eine komplexe Komposition, deren Bestandteile fast musikalisch zusammenklingen.

Darum verwundert es kaum, dass er seit dem Jahr 2000 das exquisite Münchner Musik-Label ECM mit Cover-Aufnahmen beliefert, 62 sind es inzwischen. Als People-Fotograf hatte Thomas Wunsch immer mal wieder internationale Stars vor der Linse wie Brad Pitt oder George Clooney, aber sein Herzblut gilt der Abstraktion. „Dass meine Fotografien dekorativ sind, sei kein Nachteil, hat ein Galerist mal gesagt.“ Dabei sind seine meist schwarzweißen Lichtbilder nicht auf Anhieb klassisch schön, man muss sich schon auf ihre Ästhetik einlassen.

Die Fotografie selbst ist nur der Ausgangspunkt, sie wird digital so stark bearbeitet, dass niemand mehr das Original wiedererkennen würde, erklärt der Lichtbildner. Mehrere tausend Bilder entstünden so im Jahr, sagt Wunsch, keines für einen bestimmten Zweck, sondern zunächst als freie Arbeiten, und „am Ende bleiben rund 50 übrig, die wirklich gut sind“.

Anfangs waren die Aufnahmen nicht völlig gegenstandslos, man konnte schemenhaft Menschen, Straßen, Landschaften erkennen. Doch inzwischen lenken sie den Betrachter eher zu dessen inneren Bildern. „Ich bin immer überrascht“, sagt Wunsch, „wenn 30 Menschen meine Bilder anschauen, gibt es 30 Meinungen, was man darauf sehen kann. Wenn’s am Ende keiner erkennt, habe ich meine Arbeit richtig gemacht.“
Der Bildschöpfer spiegelt die Erwartungen des Publikums: „Der Mensch will Muster erkennen, als Teil der Überlebensstrategie, damit wir uns vor dem Säbelzahntiger hinter dem Busch retten können.“

Das Foto an der Wand ist bei ihm dann im Ergebnis, auch wenn die Aufnahme ein anderes Seitenverhältnis hatte, stets ein quadratisches Format. In der Galerie Litvai zeigt er seine Lichtbilder im Format 50 x 50 cm, im größeren Raum der Neuen Galerie im Format 100 x 100 cm, „das ist groß genug für die Details, aber man braucht nicht gleich ein Museum, um sie ordentlich aufzuhängen“, findet Wunsch.

So reduziert die Motivik ist, so puristisch ist die Farbigkeit: Schreiende Farben wie Rot oder Magenta wird man bei ihm nicht finden. Außer Schwarz, Grau und Weiß gibt es nur Grün- und Blautöne. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass er selbst Jazz-Liebhaber ist. Seine Kunst ist sozusagen eine Hommage an die Blue Note. Und an den dunkelblauen Himmel, wenn man nach einer langen Nacht aus einem New Yorker Jazz-Club kommt. Und bei aller Abstraktion – die Essenz des Wesentlichen ist in seinen Bildern auf jeden Fall vorhanden.
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